Der Anteil des Gebäudesektors am gesamten Energieverbrauch in Deutschland beträgt fast 40 Prozent. Heizen, Kühlen und Lüften von Wohnhäusern, Büroimmobilien und öffentlichen Bauten ist ressourcen- und kostenintensiv. Wahre Energieverschwender sind Bürogebäude mit großflächigen Glasfassaden; im Sommer verwandeln sie sich in Treibhäuser, im Winter steigt der Heizbedarf wegen der nicht ausreichenden Wärmedämmung der Glasflächen enorm. Um den Energieverbrauch zu senken, entwickelten Forscher vom Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU in Dresden gemeinsam mit dem Fachgebiet Textil- und Flächen-Design der Weißensee Kunsthochschule Berlin Fassadenkomponenten, die autark auf Sonneneinstrahlung und die dadurch entstehende Wärme reagieren.

 

Die intelligente Fassade "Solar Curtain" besteht aus einer Matrix von 72 einzelnen, an Blüten erinnernden, textilen Bauteilen. In diese Module integriert sind Formgedächtnisaktoren. Dabei handelt es sich um dünne, 80 Millimeter lange Drähte, die sich bei Erwärmung an ihre Ausgangsform erinnern. Erwärmt sich die Fassade durch die auftreffenden Sonnenstrahlen, werden diese Drähte aus einer Nickel-Titan-Legierung aktiviert, sie ziehen sich zusammen und öffnen dadurch geräuschlos die textilen Komponenten. Die Glasfassade wird verschattet, Sonnenlicht und Wärme dringen nicht mehr in den Raum ein. Verschwindet die Sonne wieder hinter den Wolken, schließen sich die Elemente und die Fassade ist wieder transparent.

Intelligente Fassade Solar Curtain
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Die intelligente Fassade "Solar Curtain" konnte im Februar 2016 die Jury des Fraunhofer-Ideenwettbewerb überzeugen und bei der Auswahl um innovative Konsumgüter den ersten Platz belegen.