20.01.2022

Nachgefragt: Holger Kunze über Clusterinitiativen

An dieser Stelle berichtet das Projekthaus über Aktuelles aus der Welt der smarten Materialien.
Wir haben mit Holger Kunze über Clusterinitiativen gesprochen. 

1. Was wird im Januar und Februar besonders spannend? 

Smart materials und ihre Anwendungspotenziale erfahren in vielen europäischen Ländern gerade große Aufmerksamkeit. In Österreich beispielsweise gibt es ein neues Forschungszentrum für innovative Lösungen für Industrie und Gesellschaft, mit dem wir kooperieren: das CiSMAT – Carinthia Institute for Smart Materials. Und es ist nun auch Mitglied bei smart³. 

In Ungarn ging Ende 2021 eine Demo Factory Line in Betrieb, und zwar beim Pannon Business Network (PBN). Dies ist ebenfalls eine Clusterorganisation, in der smart materials Bausteine ein wichtiger Bestandteil für industrielle Belange sein werden. Im Oktober konnten wir die smart³-Steckboards an den ungarischen Partner PBN übergeben. Das sind erste Experimentier- und Trainingsmaterialien zu sensorischen und aktorischen Anwendungspotenzialen von smart materials.

Auch in Deutschland spürt man ein Bündeln der Kräfte und des Know hows auf diesem Gebiet. Bereits am Markt etablierte smart materials Unternehmen konnten neue Joint Ventures gründen. Im Netzwerkbereich finden sich immer mehr Experten zusammen. Sie wollen die smarten Materialien stärker in die Anwendungen überführen.

Materialseitig ist mit der Werkstoffklasse “Programmierbare Materialien” ein Newcomer am Markt. Und es stellt sich die Frage: Programmierbare Materialien – The Next Big Thing? Wir bleiben dran und berichten zu gegebener Zeit über die Neuigkeiten.

2. Das Projekthaus smart3 ist Bestandteil des Programmbegleitkreises der Clusterplattform Deutschland “go-cluster” und berät die Politik, genauer gesagt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Berlin und den zuständigen Projektträger VDI/VDE-IT GmbH, zu strategischen und operativen Fragen der Clusterförderung. Was muss man sich darunter vorstellen und wie beteiligen wir uns daran?

Der Programmbegleitkreis besteht aus Vertretern der Politik, hochrangigen Wissenschaftsvertreter:innen mit clusterpolitischer Expertise und aus drei Clustermanager:innen aus der lebendigen Clusterwelt Deutschlands. Aufgrund unserer fast 10-jährigen Expertise im Aufbau eines transdisziplinären Innovationsclusters bringen wir in diesen Expert:innen- und Beraterkreis unsere operativen Erfahrungen ein. 

Prof. Dr. Thomas Heimer, Lehrstuhlinhaber für Innovationsmanagement und Projektmanagement an der Hochschule RheinMain, leitet den Begleitkreis und berät in seinen Sitzungen über clusterpolitische Herausforderungen in einer sich gesellschaftlich und wirtschaftlich transformierenden Welt. Daraus entstehen dann neue Förderbekanntmachungen und -formate. 

3. Welche Debatte sollte man gerade auf dem Schirm haben?

Es ist unbestritten, dass wir uns in einem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Transformationsprozess befinden, der erhebliche Veränderungen mit sich bringt. Es geht dabei nicht wie in den letzten Jahrzehnten nur um evolutionäre Weiterentwicklungen, im Sinne von ‚alles ein bisschen schneller oder günstiger, optimierter oder perfekter‘. Es geht um neue Lösungen für die Sicherung unserer Grundbedürfnisse, für Mobilität, für Bildung, für lebenswertes Altern, für Gesundheitsversorgung, für den Schutz des Klimas sowie für die Bewältigung weiterer globaler Krisen und sehr aktuell: Pandemien. 

Es sollte in diesem Zusammenhang diskutiert werden, welchen Beitrag dazu bereits etablierte Cluster leisten können. Ob es notwendig sein wird, neue, sogenannte Transfercluster ins Leben zu rufen und durch gezielte Förderung deren Entwicklung zu unterstützen? Nach meiner Auffassung gibt es bereits heute best practice Beispiele existierender Cluster auf regionaler Ebene. Sie sind als wirtschaftspolitisches Instrument essentieller Bestandteil der Landes- und Regionalpolitik und dabei durchaus erfolgreich. Ich denke dabei konkret an OpTec BB oder it’s OWL.