HAUSBESUCH

Wie die Potenziale und Zukunftsperspektiven intelligenter Werkstoffe spielerisch vermittelt werden können, zeigt die »forschungswerkstatt smart materials« in den Technischen Sammlungen Dresden. Von Mai bis Oktober 2018 wurden neue Konzepte der Wissenschaftsvermittlung in dem interaktiven Ausstellungs- und Werkstattraum erprobt.

In Bechergläsern klirren Löffel, aus Föhnen ertönen rauschende Luftströme und Kinder erzeugen am »Noise Maker«, einem meterhohen aus Alltagsdingen zusammengebastelten Konstrukt, faszinierende Klänge. Beim Betreten des 400 m² großen Goldbergsaals sind die Besucher sofort von einer lebendigen Geräuschkulisse umgeben. In der »forschungswerkstatt smart materials« darf diskutiert, experimentiert, gematscht und getüftelt werden. Berührungsängste vor ungewöhnlichen Materialien sind hier fehl am Platz. Jeder Mensch wird zum Forscher und erkundet den Raum nach seinen Interessen. Bereits im ersten Teil des Raumes der »Wissensammlung« verdeutlichen verschiedene Hands-on Experimente die Funktionsweisen der smarten Werkstoffe. Eindrücklich wird gezeigt, wie mechanische Energie in Strom umgewandelt wird und eine Leuchtdiode (LED) erstrahlt. Mithilfe der Wärmeeinwirkung eines Föhns können die Besucher selbst ein Gewicht an einer Drahtfeder in die Höhe ziehen. Illustrationen und illustrativ gestaltete Texttafeln, die Anja Maria Eisen in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftler Andreas Erben entwickelte, geben eine theoretische Einführung und stellen Bezüge zu Alltagsprodukten her.

Tinkering als Zukunftskonzept

In der zweiten Raumhälfte erreichen die Museumsbesucher die Welt des »Tinkerings« (engl. für Basteln). Im »Werkstattbereich« gibt es zahlreiche DIY-Experimente auf naturwissenschaftlicher Basis: Eindrucksvoll ist zu sehen, wie hydrophober Sand sich sofort in seine trockene Substanz verwandelt, sobald man ihn aus dem Wasser hebt.

Die Technischen Sammlungen am Wissenschaftsstandort Dresden erproben gemeinsam mit ihren Projektpartnern im Rahmen des Forschungsprojektes »smart materials satellites« neue Wege der Technik- und Wissenschaftskommunikation. Es geht um die Frage, wie sich aktuelle Forschung am Beispiel von smart materials in einem Museum und Science Center vermitteln lässt. In der »forschungswerkstatt smart materials« wird eine Reihe von Formaten ausprobiert.

So finden über die gesamte Woche wiederkehrende Veranstaltungen statt. Einblicke in authentische Forschungs- und Fertigungsorte erhält man jeden Freitag bei »Ring a …«. Per Skype werden die Besucher in Werkstätten, Ateliers und Labore von Künstlern und Wissenschaftlern geschaltet, um einen Blick hinter die Kulissen zu erhalten und zu Forschungsthemen ins Gespräch zu kommen. Jeden Samstag und Sonntag wird im Rahmen des »Familientüftelns« experimentiert. Beim Basteln der »Paper Beasts« und »Dosenfische« werden spielerisch die Materialeigenschaften vermittelt. Besonders beliebt ist das Herstellen von Schleim. Kinder in weißen Kitteln und mit Laborhandschuhen drängen sich um den Tisch und erfahren Schritt für Schritt, wie sie ihren eigenen Schleim mischen und wie dieser z. B. magnetisch wird.

Mit Wissenschaftlern ins Gespräch kommen können Museumsbesucher an jedem zweiten Samstag im Monat. Schulklassen und Gruppen erhalten auf Voranmeldung kostenfrei Führungen und Workshops. Das DLR_School_Lab bietet im Rahmen der »forschungswerkstatt« naturwissenschaftliche Experimente an. In den Ferien finden einwöchige Science Camps zu je einem smart material, in denen die Teilnehmer selbst tüfteln, statt.

Eine weitere Besonderheit ist, dass im Rahmen der SYN Award | sms Künstlerresidenz jeweils zwei Monate die Designerin Ulrike Mäder und die Künstlerin Anne Adelt im Goldbergsaal der Technischen Sammlungen arbeiteten und sich in ihren Projekten intensiv mit den smart materials auseinandersetzten.

Das Museum der Zukunft

Das Zusammenspiel von Transdisziplinarität, interaktiven Dialogformaten und modernen Präsentationsformen als Vermittlungskonzept macht Forschung greifbar und ermöglicht zwischen Museumsbesucher und Wissenschaftler einen Austausch auf Augenhöhe. Die »forschungswerkstatt smart materials« ist ein Labor, das eine unkonventionelle, experimentelle, ergebnisoffene und handlungsorientierte Annäherung an die scheinbar magischen Werkstoffe erlaubt. Eine offene Plattform, die analoge Begegnungen schafft. Die Mitmach-Werkstatt in den Technischen Sammlungen Dresden zeigt, wie der aktive Wissenstransfer von der Wissenschaft zur breiten Öffentlichkeit gelingt und die Potenziale und Zukunftsperspektiven von smart materials verständlich vermittelt werden können.

 

Text: Mandy Einicke
Foto: Sascha Linke