NIMMER RUHT ES, DAS MEER.
DAS LEBEN IN IHM, EIN BEWEGTES.
LEBEN IN DER SCHWEBE, LEBEN IN DER TIEFE.

IST LICHT DIE BRÜCKE ZU SICHEREM GRUND? WÄRME? DEM IMPULS FOLGT BEWEGUNG.
EIN TIER? EINE PFLANZE? EIN BEIDES?

FÜHLER IN BEUGUNG, TENTAKEL IN STRECKUNG. LANGSAM, AMBIVALENT.
DENNOCH PURE VERFÜHRUNG.

Als das assoziationsreiche Gedicht die Besucher im Foyer des Fraunhofer-Hauses Ende Oktober 2018 auf die sechswöchige Ausstellung »smart³ | materials – solutions – growth« einstimmte, erschloss sich ihnen rasch, dass an diesem Ort der Wissenschaft temporär eine weitere Welt Einzug gehalten hatte: die der Kunst.

Kinetische Objekte der Hallenser Künstlerin Beate Eismann machten die Eigenschaften von thermischen Formgedächtnislegierungen (FGL) interaktiv erfahrbar: Indem die Besucher selbst durch Wärmezufuhr die Tentakel der meerestierähnlichen Objekte in Bewegung brachten, wurden die versteckten Eigenschaften der smart materials sichtbar. Auf diese ästhetische und überraschende Art und Weise konnte Neugierde auf die vielfältige Materialwelt geweckt werden. Zur medialen Vermittlung ihres Werks arbeitete Beate Eismann mit dem Fotografen Sascha Linke zusammen. Seine Fotografien der Objekte, die großformatig an die Ausstellungswände und die Foyer-Fenster gebracht wurden, akzentuierten und erweiterten die thematischen Interpretationsebenen – ebenso ein projektbezogener Kurzfilm.

Die in Kooperation mit smart³ entstandene Präsentation bildete einen Teil der von der Fraunhofer-Gesellschaft vor einigen Jahren ins Leben gerufenen Ausstellungsreihe »Wissenschaft und Kunst im Dialog«, die im Münchener Fraunhofer-Haus durch Dorothée Höfter betreut wird. Ziel der Reihe ist der Perspektiv- und Erfahrungsaustausch zwischen Wissenschaft und Kunst, die Suche nach neuen Vermittlungsmethoden und Verschränkungen unter ihnen.

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung fand eine Podiumsdiskussion statt. Moderiert von Alexander Lucas gingen Prof. Dr. Raimund Neugebauer, MinR Hans-Peter Hiepe, Prof. Dr. Welf- Guntram Drossel, Prof. Frithjof Meinel und die Künstlerin der Frage nach, wie ein produktiver Dialog zwischen Kunst und Wissenschaft gelingen kann. Die Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Kunst waren sich einig, dass die kreativen Prozesse beider Disziplinen Ähnlichkeit aufweisen. Unterschiede in Methodik und Ergebnisformen wurden hingegen als Beiträge zu einem produktiven Spannungsverhältnis gewertet, das große Wirkung entfalten kann, beispielsweise bei interdisziplinären Innovationsprozessen.

Text: Mandy Einicke