HAUSBESUCH

Auf dem Gelände der ehemaligen Neontechnik und Elektrowaren Betriebe befindet sich die Digitalagentur pluslab. Hier, in einer der beeindruckenden Fabrikhallen, kreiert ein Team aus Designern und Programmierern originelle Ideen, um komplexe Themen mithilfe moderner Technologien verständlich zu vermitteln.

2010 gründeten die Designer Tom Hanke und Martin Schwandt ihre Kreativschmiede mit Sitz in Halle (Saale). Seither inszenieren sie Wissen – physisch, virtuell und augmented – in Museen, Besucherzentren und online. Heute liegt ihr Schwerpunkt zunehmend auf der digitalen Wissensvermittlung. „Mit medialen Exponaten und interaktiven Anwendungen werden wissenschaftliche Themen spannend erzählt, spielerisch übertragen und so zugänglich“, erklärt Tom Hanke und verdeutlicht: „Wir verstehen uns ebenso als Übersetzer wie als Gestaltungslabor.“

Digitale Wissensvermittlung

Für die Sonderausstellung »Sachsen Böhmen 7000« im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz (smac) konzipierte pluslab eine interaktive Webseite, auf der die Nutzer die facettenreiche Beziehungsgeschichte beider Regionen durch das Lösen simpler Aufgabenstellungen in verschiedenen humorvollen Spielszenarien verstehen lernen.

Mehr über das Innenleben sowie die Bauteile und Module der internationalen Raumstation (ISS) entdecken Interessierte anhand der 3D-Anwendung »Off Earth«, entworfen von Sebastian Werner. Auf einem Display wird die ISS virtuell präsentiert. Das digitale Poster reagiert dabei auf die Entfernung des Betrachters und mit zunehmender Distanz wird der Fokus auf schnelle und große Animationen gelegt. Bewegt man sich auf das Poster zu, verlangsamt sich die Aktion und der Blickpunkt wird auf einzelne Elemente gelenkt.

Seit 2012 ist pluslab Teil des Innovationsnetzwerkes und blickt daher auf einige Kooperationen mit Mitgliedern aus dem smart³-Konsortium zurück: Im Forschungsprojekt »Smart Frame +« realisierte die Digitalagentur den Leichtbau-Fahrradrahmen des Demonstrators. Hierfür entwickelten sie auch die 3D-Simulation einer Fahrradstrecke. Steigt die Versuchsperson auf den Fahrstand, werden real gemessene Straßenerschütterungen simuliert. So wird die Demonstration des durch Vibrationssignale in den Lenkgriffen ausgelösten Warnsystems visuell erweitert. Darüber hinaus beteiligte sich pluslab an der Umsetzung der »Conga-Maschine«: Ein Demonstrator der ETO MAGNETIC GmbH, der die Vorteile präziser, schnellschaltender, energieeffizienter und langlebiger Pneumatikventile, auf Basis von magnetischen Formgedächtniswerkstoffen (MSM), verdeutlicht.

Verborgenes sichtbar machen

Moderne Medien bieten ein enormes Potenzial, um die versteckten Fähigkeiten von smart materials sichtbar zu machen. Prozesse, die beispielsweise in einer zu hohen Geschwindigkeit erfolgen, können mithilfe digitaler Anwendungen entschleunigt dargestellt und so für das menschliche Auge sichtbar werden. Auch die innere Molekularebene der intelligenten Werkstoffe bleibt so kein Geheimnis mehr. „Das Verborgene wird sichtbar“, schwärmt Tom Hanke. Der smart³-Bausatz »smart-Board«, ein weiteres Projekt, an dem pluslab mitwirkte, beweist, wie die Funktionsweisen der smart materials mithilfe digitaler Medien spielerisch und experimentell erfahrbar werden.

Mit der Konzeption und Realisierung digitaler Vermittlungsangebote fungiert das Kreativlabor pluslab als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Derzeit arbeiten Tom Hanke und sein Team an einer Netzwerkplattform, auf der alle Forschungsaktivitäten aus dem smart³-Konsortium auf einem Blick sichtbar werden. Es sollen neue Verknüpfungspunkte für Kooperationen geschaffen werden. So werden zukünftig sicher weitere interaktive Digitalformate entstehen, die noch mehr Menschen die verborgenen Eigenschaften der smart materials sichtbar machen.

Text: Mandy Einicke
Foto: Sascha Linke

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