Das Motto der Ausstellung im Wasserschloss Klaffenbach weckte hohe Erwartungen und wurde noch einmal durch den Untertitel konkretisiert: »Potenziale technischer, intelligenter Textilien + smart materials«. Dieser Beitrag bezieht sich auf die letztgenannte Werkstoffapplikation, mit der sich smart³ durch zahlreiche Exponate selbstbewusst darstellte. Die meisten Objekte wurden von den beiden Kunsthochschulen Weißensee und Halle sowie von der Fakultät für angewandte Kunst Schneeberg initiiert. Zusätzlich konnten auch Arbeiten von Absolventen dieser Designschmieden sowie Wettbewerbsergebnisse gezeigt werden, die den Ausstellungsrahmen über das Textile hinaus sichtlich erweiterten. Dabei wurde deutlich, dass es kaum eine andere Technologie neben der textilen gibt, die die Integration von smart materials inhärent ermöglicht, beispielsweise durch Weben, Verzwirnen, Verseilen, Nähen, Sticken und Stricken – inzwischen nicht mehr nur in der Fläche, sondern auch dreidimensional. Allen Exponaten war gemeinsam, dass wissenschaftliche wie künstlerische Forschung ein neues Denken antreibt, das in die Lage versetzt, Basisinnovationen hervorzubringen. Dieses Denken fußt auf dem Paradigma, dass nützliche Funktionen direkt auf der Werkstoffebene in Produkten wirksam werden können.

Die Anwendungsbreite der ausgestellten technologischen Neuerungen war groß. Als Ausgangspunkte dominierten erwartungsgemäß der menschliche Körper durch zahlreiche Bekleidungsobjekte, aber auch die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt, wobei sein Mobilitätsbedürfnis eine große Rolle spielte. Dabei blieb es nicht bei Produktideen zur Ortsveränderung und zum Freizeitsport, sondern es fanden sich auch innovative Anwendungen zur Kommunikation. Beispiele für die sportive Mobilität waren das superleichte Fahrrad, das stromerzeugende Skateboard und diverse Wintersportausrüstungen. Für den Bereich der Kommunikation standen Arbeitsbekleidungen, eine Tischdecke und ein Handschuh, jeweils mit sensuellen Schnittstellen für den Austausch mit anderen Menschen und mit Informationssystemen. Gezeigt wurden auch neue Antriebe, die durch smart materials die Körperpflege sanfter und geräuschärmer machen.

Damit diese neuen Möglichkeiten der Anwendung von smart materials zwecks Steigerung des Gebrauchswerts wahrgenommen werden und Akzeptanz finden, ist die Gestaltungsdisziplin prädestiniert. Deshalb ging es im Wasserschloss Klaffenbach nicht bunt durcheinander, sondern es manifestierte sich eine hohe Form- und Farbkultur. Was im Modebereich wohl erwartet werden konnte, zeigte sich auch in anderen Anwendungskategorien: Textile Skipisten müssen nicht notwendigerweise weiß sein und hochfeste, textile Fahrradspeichen nicht metallisch aussehen. Unter den attraktiven Oberflächen, die zum Großteil mittels smart materials sensoriert oder aktoriert waren, verbargen sich kulturelle Ansprüche, die zukunftsfähige Lebensformen adressierten. Dabei ging es um ökologisches Bewusstsein, soziale Integration, Bewältigung der demografischen Herausforderungen und – last, but not least – um sinnstiftende Nachhaltigkeit.

Text: Frithjof Meinel
Foto: Sascha Linke