HAUSBESUCH

Damit aus einem zunächst passiven Werkstoff ein smart material in der Anwendung wird, bedarf es einer physikalischen Aktivierung. Genau darum kümmert sich im Netzwerk smart3 der Partner DIGALOG.

Gegründet 1983 in Berlin vom damaligen und heutigen Gesellschafter Dipl.-Ing. Manfred G. Brustat, hat es sich DIGALOG zur Aufgabe gemacht, kundenspezifische Steuerelektroniken für smart materials zu realisieren. „Wir sind sozusagen Maßschneider für Industrieanwendungen“, erklärt Geschäftsführer Dipl.-Ing. Martin Weber.
Prokuristin Saskia Grundmann führt durch die neuen Räumlichkeiten im Technologiezentrum in Berlin-Adlershof und gibt einen Überblick über die Entwicklung und Produktion. In konzentrierter Feinarbeit werden die Bauteile von dem 12-köpfigen Team gefertigt, in spezifische Gehäuse montiert und mit der entsprechend entwickelten Software bespielt. Jede Platine durchläuft eine Sicht- und Funktionsprüfung, bevor sie beim Kunden in Betrieb genommen wird. Somit wird ein nahezu servicefreier und langfristiger Betrieb erzielt. „Manchmal wünschte ich mir, dass wir auch mal ein Bauteil ersetzen dürfen, aber unsere Elektronik geht leider einfach nicht kaputt“, scherzt Weber. Sollte dennoch eine Reparatur nötig sein, ermöglicht das hausinterne Bauteillager eine lebenslange Betreuung der entwickelten Produkte und garantiert somit das erforderliche Maß an Qualität und Sicherheit für Investitionsgüter.

 

 

Innovation durch Kooperation

Die enge Zusammenarbeit mit Universitäten und Forschungseinrichtungen bietet Zugriff auf die neusten Verfahren, Methoden, sowie Materialien und ermöglicht somit einen direkten Zugang zu Innovationen. Zur Realisierung fortschrittlicher Entwicklungen werden Know-how und neuste wissenschaftliche Erkenntnisse aus einem lebendigen, weitgefächerten Netzwerk geschöpft.
DIGALOG entwickelte bereits die Steuerelektroniken für zahlreiche Smart3-Projekte, unter anderem für »Sound Adapt«, »SmartFrame+« und »Cumulino«, erklärt Geschäftsführer Dipl.-Ing. Martin Weber, der selbst Gründungsmitglied und Teil des Vorstands von smart3 ist.
In Zusammenarbeit mit der Hochschule Magdeburg-Stendal war DIGALOG außerdem Elektronikentwickler und Kooperationspartner für »STS« (SmartTiltingSystems). Hierbei handelt es sich um ein Verfahren zum intelligenten Ausrichten von Finish-Einheiten in Metallbearbeitungsprozessen, bei dem Piezoaktoren die Lage des Schleifkopfes steuern. Mithilfe des Einsatzes dieser smart materials ist es möglich, ein Werkstück im Mikrometerbereich rund zu schleifen und somit eine längere Haltbarkeit, z. B. von Walzenlagern für Kraftwerksturbinen, durch weniger Abrieb zu garantieren.
Mit der Zielsetzung, mehr Nachhaltigkeit in der Elektronikentwicklung zu realisieren, ist DIGALOG mit der Weiterentwicklung von Hochvoltverstärkern für die Ansteuerung von piezokeramischen Aktoren ein entscheidender Schritt in Richtung Energieeffizienz gelungen. Durch das Pendeln der zugeführten Energie kann über einen Zwischenspeicher ein deutlich höherer Wirkungsgrad erzielt werden.

 

 

Intelligente Ventile

DIGALOG entwickelt auch kundenspezifische Ventilansteuerungen für Sortierlösungen. Seit 2006 zählt »TOMRA« in diesem Segment zu einem der wichtigsten Partner. »TOMRA Sorting Systems« ist einer der führenden Entwickler sensorgestützter Sortierung und vertreibt weltweit Anlagen für die Recycling-, Bergbau-, Medizin- und Lebensmittelindustrie. DIGALOG ermöglicht mit seiner Steuerelektronik eine besonders schnelle und exakte Ansteuerung extrem schneller Pneumatik-Ventile zum Ausblasen der Wertstoffe und Mineralien. In einem nachhaltigen Wirtschaftsprozess können so z. B. die zerkleinerten PETs aus den Flaschenautomaten als gewaschener und sortierter Rohstoff unmittelbar in Spritzgussmaschinen weiterverarbeitet werden.

Perspektivisch möchte DIGALOG mithilfe spezieller Fertigungsverfahren wie dem Aufdrucken von Dehnungsmessstreifen aus Polymerfolien und durch die Verwendung von smart materials in der Ventilelektronik, Aktorik und Sensorik immer weiter zu einer Funktionseinheit verschmelzen und Recycling somit noch intelligenter und nachhaltiger machen.

Text: Johanna Bratke
Foto: Sascha Linke, Hochschule Magdeburg-Stendal

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