Liebe Leserin, lieber Leser,

schon seit Millionen Jahren treiben Materialien den Fortschritt voran und haben Epochen wie der Stein-, der Bronze- und der Eisenzeit ihren Namen gegeben. Auch heute basieren zwei Drittel aller technischen Neuerungen auf innovativen Materialien. Es werden immer mehr Materiallösungen benötigt, die einen nachhaltigeren Umgang mit unserer Umwelt ermöglichen, das Klima schützen und unsere Ressourcen schonen. So setzen auch die smart³-Partner konsequent auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz.

Mich begeistern innovative Ideen und neue Forschungsergebnisse. Und wenn sich dabei auch noch ein unmittelbarer Alltagsbezug herstellen lässt und Neues nicht nur in technologischer, sondern auch in ästhetischer Hinsicht begeistert, dann fasziniert mich das umso mehr.

Deshalb freue ich mich auch über die zahlreichen Anwendungen, die smart³ auf Basis intelligenter Werkstoffe entwickelt. So wurden neue Sensoren aus Formgedächtnislegierungen entwickelt, die feinste Risse in Betonbauwerken früh erkennen helfen. Umfassende, aufwendige und materialintensive Sanierungen von Tunneln und Brücken können damit vermieden werden. Auch beim »SmartFrame+« kommen Sensoren zum Einsatz. Integriert in Leichtbaufortbewegungsmittel wie z.B. Fahrräder, sorgen sie hier in Verbindung mit Geodaten für eine sicherere Mobilität. Und die intelligente Fassade »Solar Curtain« benötigt keine Energie von außen mehr, um Gebäude elegant zu verschatten.

Menschen mit unterschiedlichstem fachlichen und methodischen Hintergrund bringen ihre Ideen, Perspektiven und Fähigkeiten ein.

Entwicklungen wie diese sind nur möglich, weil sich von Beginn an Partner aus ganz unterschiedlichen Disziplinen und Branchen an smart³ beteiligt haben. Menschen mit unterschiedlichstem fachlichen und methodischen Hintergrund bringen ihre Ideen, Perspektiven und Fähigkeiten ein: Ingenieure und Techniker, Werkstoff-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler, Kreative und Unternehmer. Es ist diese Offenheit und Grenzüberschreitung zwischen wissenschaftlichen Disziplinen, Technologien, Branchen und Märkten, um die es uns im Bundesministerium für Bildung und Forschung ging, als wir das Programm »Zwanzig20-Partnerschaft für Innovation« 2012 gestartet haben.

Die Offenheit von smart³ zeigt sich auch in einem anderen Aspekt, dessen Bedeutung vielleicht nicht immer auf den ersten Blick erkannt wird: die Kommunikation von Forschungsergebnissen und Anwendungen. Das informative und anschauliche merlin-Magazin, das in diesem Jahr bereits in seiner vierten Ausgabe erscheint, und ein sehenswerter Imagefi lm sind Belege dafür, aber auch Kontakte zur Filmbranche und spektakuläre künstlerische Objekte wie der »FÖNIKUS«.

Nachhaltigkeit hat viele Facetten. Übergreifendes Ziel von »Zwanzig20« war von Anfang an, herausragende wirtschaftliche und wissenschaftliche Kompetenzen in Ostdeutschland systematisch und langfristig auszubauen. Die zehn geförderten Konsortien sollten und sollen für Zukunftsthemen mit hoher wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Relevanz ganz konkrete, umsetzbare Lösungen mit einem hohen Marktpotenzial erarbeiten. Die nachhaltige Sicherung und Nutzung von Forschungsergebnissen sind hier ganz zentral.

Um dies zu unterstützen, haben wir im vergangenen Herbst den Workshop »Verwertungsoffensive Zwanzig20« veranstaltet. Zwei wichtige Voraussetzungen für den Markterfolg wurden dabei besonders deutlich: Möglichst früh potenzielle Anwender einbinden und die Verwertungsperspektiven von Anfang an mitdenken!

Da die Zwanzig20-Konsortien kurz vor dem Ende der Förderung im Jahr 2021 stehen, rückt die Frage der Nachhaltigkeit jetzt mehr denn je in den Fokus – für die Konsortien, aber auch für die Regionen. Denn um Wohlstand und Lebensqualität nachhaltig sichern zu können, brauchen wir Innovationen. Das gilt für die starken Regionen ganz genauso wie für die strukturschwachen Regionen in Deutschland. Das Wissen, die Kompetenzen, die Kooperationen und die marktnahen Anwendungen, die über die Zusammenarbeit im Zwanzig20-Konsortium smart³ entwickelt wurden, stärken die regionale Innovationsbasis und tragen damit spürbar zum Strukturwandel bei.

Um Wohlstand und Lebensqualität nachhaltig sichern zu können, brauchen wir Innovationen.

Wie schon allein die Anwendungsbeispiele zeigen, ist smart³ breit aufgestellt und verfügt über eine hohe wissenschaftlichtechnologische Leistungsfähigkeit. Als Netzwerk, das die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick nimmt, hat das Konsortium eine Alleinstellung bei der Nutzung von smart materials inne. Dies sind beste Ausgangsvoraussetzungen für die Verstetigung einer gewinnbringenden Kooperation der Partner. Daher begrüße ich es, dass mit dem Anschluss an die Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoffe e. V. bereits eine Grundlage für die künftige Zusammenarbeit der jetzigen Konsortialmitglieder gelegt wurde.

Anknüpfungspunkte für die Förderung neuer Ideen rund um die Materialforschung bietet auch die neue BMBF-Programmfamilie »Innovation & Strukturwandel«. Mit ihr fördern wir 30 Jahre nach der Deutschen Einheit und dem Auslaufen des Solidarpakts II Ende 2019 Innovationsbündnisse nicht mehr allein in Ostdeutschland, sondern in allen strukturschwachen Regionen Deutschlands – für auch künftig kräftige Impulse und neue Chancen im Strukturwandel.

Für die Zukunft wünsche ich dem smart³-Konsortium und seinen Partnern alles Gute und jeden Erfolg.

 

Text: Dr. Gisela Philipsenburg – Leiterin des Referats »Nachhaltige regionale Innovationsinitiativen« im Bundesministerium für Bildung und Forschung
Foto: BMBF/Innovation & Strukturwandel/Thilo Schoch

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