Infolge der Transformation auf die Ära nach der Förderperiode hat sich der smart3-Verein eine geänderte Satzung gegeben. Sie sieht, neben weitgehenden strukturellen Neuerungen, anerkennende Ehrenmitgliedschaften vor. Warum entstand diese Kategorie?

In der Zeit um und nach der Vereinsgründung haben sich einige Mitglieder besondere Verdienste darin erworben, eine nachhaltige Entwicklung des Vereinsgeschehens zu ermöglichen und eine auf Interdisziplinarität gegründete Umgangskultur zu etablieren. Diesem weit gefassten Personenkreis gehören die in einer Vorstandsentscheidung nominierten fünf Ehrenmitglieder an. Von ihnen kann erwartet werden, dass sie das smart3-Netzwerk bei der Transformation bezüglich neuer Bedarfsfelder, weiterer Materialklassen und der Internationalisierung maßgeblich unterstützen. Es geht um die Einbindungen von Persönlichkeiten mit besonderen Kompetenzen, die sie exklusiv vertreten, sowie um das Renommee des Vereins smart3 nach innen wie nach außen.
Wir haben die fünf vom Vereinsvorstand vorgeschlagenen und von der Mitgliederversammlung gewählten Ehrenmitglieder um ein Statement gebeten. Diese persönlichen Bekenntnisse drucken wir in der alphabetischen Reihenfolge ihrer Nachnamen ab.

 

BEATE EISMANN:


Eine gute Basis für zukünftige Aktivitäten im Rahmen meiner Ehrenmitgliedschaft im smart3-Verein bilden sicherlich Erfahrungen aus enger Zusammenarbeit mit dem Verein in der Zeit von 2016 bis 2018. Als Künstlerin war ich damals in der Rolle der Experimentierenden gefragt, die Fachgrenzen bewusst überschreiten sollte bzw. beim Brückenbau zwischen Disziplinen helfen konnte. Mich würde es freuen, solche Wirkweisen auch im Rahmen meiner Ehrenmitgliedschaft zu aktivieren und sie durch weitere Ebenen meiner Berufspraxis bereichern zu können.

 

HANS-PETER HIEPE:


Die faszinierende Welt der Materialforschung ist unerschöpflich. Damit die Fülle der Optionen ihren Weg in ungeahnte Produkt- und Lebenswelten finden kann, muss sie sich selbst neu erfinden. Smart müssen nicht nur die Materialien, smart muss auch der Weg zur Innovation sein. Das Neue denken heißt neu denken. Radikal und über die Grenzen der Disziplinen, Technologien, Branchen und interessengebundenen „Wahrheiten“ hinweg. Das braucht unternehmerischen Mut, strategisches Handeln, verbindliche Partnerschaften in allen gesellschaftlichen Bereichen und viele „geplante“ Zufälle. Und es braucht eine smarte Förderung wie durch Zwanzig20. Im BMBF habe ich sie viele Jahre verantwortet und bin heute gern ein Teil von smart3.

 

FRITHJOF MEINEL:


Ich bin Ingenieur und Gestalter in einer Person. Mir geht es darum, Öffentlichkeit und Akzeptanz für smart materials herzustellen. Damit neue Werkstoffe und Technologien breit anerkannt werden, müssen ihre Anwendungen in Produkten und Prozessen an die Erfahrungswelt der Menschen anknüpfen. Übersetzt in die Sprache von Architektur, Design und Medienkommunikation bedeutet das, Menschen mental dort abzuholen, wo sie momentan ihre individuellen Lebensformen, ihren Alltag praktizieren und wo sich ihre Träume sublimieren. Dass sich diese Denkweise auch in den Forschungsergebnissen unseres Netzwerks widerspiegelt, dafür setze ich mich im smart3 e. V. ein.

 

ANDREAS SCHÖNECKER:


Die systematische Übertragung biomimetischer Strukturen und Signalverarbeitungsprinzipien auf elektromechanische Wandler löste bereits vor mehr als 40 Jahren faszinierende Produktentwicklungen aus. Die Koppelmechanismen zwischen elektromagnetischen und mechanischen Größen der so bezeichneten smart materials sind inzwischen grundlegend verstanden. Es bleibt die Herausforderung, ihr Innovations-potenzial in marktfähigen Produkten zu nutzen. Dies erfordert in der Regel eine arbeitsteilige Zusammenarbeit spezialisierter Unternehmen in vernetzten Wertschöpfungsketten. Marktbedarf, Auslegung, Produktionsverfahren sowie Zweckbündnisse der Leistungsanbieter sind in Übereinstimmung zu bringen. Formate zum Anstoßen von Produktentwicklungsprozessen in komplexen Innovationsökologien wurden in zwei smart3-Projekten erarbeitet. Sie erscheinen mir bestens geeignet, das Leistungsangebot von smart3 nachhaltig zu stärken.

 

JÖRG SYDOW:


Mehr denn je ist heute die erfolgreiche Entwicklung und Vermarktung neuer Technologien auf eine enge Zusammenarbeit von Organisationen aus Wissenschaft und Wirtschaft angewiesen, nicht selten auf Initiative und unter Beteiligung staatlicher Stellen. Das gilt insbesondere für wissenschaftsbasierte Technologien wie smart materials. Im Kontrast zu anderen derartigen Technologien (etwa der Biotechnologie) gab es hier, was Umfang und Intensität interorganisationaler Zusammenarbeit in regionalen Clustern oder Netzwerken angeht, einen erheblichen Nachholbedarf. Smart3 hat dazu in den letzten Jahren einen wichtigen Vernetzungsbeitrag geliefert, auf den in Zukunft aufgebaut werden kann.

 

 

Text: Frithjof Meinel
Foto: Markus Jürgens, Thilo Schoch, Mandy Bent, Sascha Linke, Jörg Sydow

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