Wer immer die gleiche Frage stellt, erhält immer die gleiche Antwort. Neue Fragestellungen befördern neue Antworten. Smart3 lebt seine Interdisziplinarität und profitiert vom Mehrwert verschiedener Blickwinkel. Linda Weisheit vom Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU Dresden hat Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Gestaltenden gesammelt und schätzt diese. Ihr Interesse gilt neben den Smarten auch den Programmierbaren Materialien, an denen sie im Fraunhofer Cluster of Excellence Programmierbare Materialien CPM forscht. Da man hier an der Zukunft solcher Materialien arbeitet, lag es für Linda Weisheit nahe, das smart3-Projekthaus für die Konzeption, Planung und Durchführung einer Projektarbeit mit Kreativen anzufragen.
Die Suche nach Partnern mündete in einer Kollaboration mit der Hochschule Wismar und dem Klub Solitaer e. V. in Chemnitz. Letzterer ist durch seine Funkenakademie sichtbar geworden, die die experimentelle Auseinandersetzung von Künstler*innen mit Hochtechnologie fördert. Unter dem Titel „Artificial Natures“ hat der Klub 14 Künstler*innen für die Arbeit mit Programmierbaren Materialien eingeladen und Prof. Dr. Johanna Schmeer der Folkwang Universität der Künste als Dozentin gewonnen. Daneben begleiten die Professoren Stephan Schulz und Tom Hanke 15 Design- und Architekturstudierende der Hochschule Wismar über ein Semester bei ihrer Auseinandersetzung mit der Material-gruppe zu Anwendungen im Außenbereich und der Integration funktionalisierter Oberflächen in Natur(mono)materialien.
Bereits Anfang Oktober eröffnete der Klub Solitaer bei einer dreitägigen Präsenzveranstaltung den Reigen für eine Vortragsreihe. In Club-Atmosphäre wurde Fachwissen vermittelt und erste Nebengespräche ermöglicht. Prof. Dr. Chris Eberl (Fraunhofer IWM) veranschaulichte sehr erfolgreich mit seiner komplett analogen, auf dingliche Beispiele bezogenen Vortragsvariante seine Definition der Materialgruppe. Linda Weisheit reflektiert: „Außerdem hatten wir […] erstmals die Möglichkeit, unser Wissen Nicht-Ingenieuren zu präsentieren. Das war vor allem eine echte Herausforderung für uns; wir mussten uns nochmal von einer ganz anderen Seite mit unseren Inhalten auseinandersetzen und uns teilweise auch kritisch hinterfragen. Bereits das hat uns neuen Input für unsere weitere Arbeit gegeben – sowohl für die Außendarstellung als auch für die Inhalte selber.“ Prof. Frithjof Meinel von der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und Frau Prof. Dr. Alexandra Ion von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh stellten zusätzlich aus der Design-Perspektive Potenziale Programmierbarer Materialien dar.

 

Der zweite Tag bot einen Workshop im Makerspace der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. Nach einer Schulung zum Lasercutten, Tiefziehen und 3D-Drucken boten die Wissenschaftler*innen vom Fraunhofer CPM gegenständliche Zugänge zu ihren Materialien. Zuvor behandelte Wirkmechanismen und Stellgrößen wurden in einer Software simuliert und in der Stationsarbeit „greifbar“. „Die Künstler*innen haben sich in dem Moment wohlgefühlt, wo sie etwas in die Hand nehmen […] konnten“, so Prof. Dr. Johanna Schmeer. Prof. Tom Hanke verwies zudem auf „… das Unverbindliche zwischendurch. Man […] macht etwas gemeinsam, kommt ins Gespräch und fragt nochmal nach. Dann fängt es an persönlich zu werden – nicht frontal.“
Der dritte Veranstaltungstag in den Technischen Sammlungen Dresden galt der Reflektion. In einem Dialogformat namens Fishbowl konnten sich Kreative und Wissenschaftler*innen unter Anleitung von Lena Herlitzius von Triple Helix Dialog zum Thema austauschen, erste Ideen und Gestaltungsperspektiven diskutieren. „Das hat aus meiner Perspektive sehr gut funktioniert. […] In der Regel saßen gemischte Teams in der Mitte, weil es konkrete Fragestellungen waren, wo jemand vom Fraunhofer antworten sollte. Dadurch hat man auch verstanden, wie ein Austausch funktionieren kann und wie da die Rollen sind“, so Prof. Tom Hanke. „Das ist für mich das Positive […] Man hat gemerkt, wo Ingenieure anders ticken, aber vor allem hat man eine Nähe gespürt. Man hat den Eindruck gewonnen, dass auch Ingenieure Fragen an uns haben […] Man kommuniziert immer noch anders und denkt auch anders. Allein der Austausch führt aber zu Verständnis.“ Prof. Dr. Johanna Schmeer ergänzt: „… dass es interessant ist, dass es den Fraunhofer-Leuten scheinbar nicht nur darum geht, das zu kommunizieren, was im Cluster gerade beforscht wird, sondern auch […] wie man das versteht als Künstler*in […] So ist es dann ein Stück offenere Auseinandersetzung.“
Zurückblickend waren die drei Tage auch für das smart3-Projekthaus extrem bereichernd. Erfahrungen aus der Arbeit im eigenen Netzwerk haben sich bewährt und vermehren sich nun in Form neuer Wissensbausteine sowie angepasster Vermittlungswerkzeuge. Fazit von Prof. Tom Hanke: „Das war ein spannender Workshop, das waren coole drei Tage. […] Man hat was in der Gruppe gemacht, man hat auf jeden Fall etwas gelernt.“ Alle Teilnehmenden konnten eine Nähe zu den Programmierbaren Materialien finden und deren Relevanz für sich selbst entdecken. Wir können gespannt sein auf die Resultate der Zusammenarbeit im Januar.

 

 

Text: Enrico Wilde
Foto: Maximilian Mügge, Stephan Schulz, Sascha Linke, Linda Weisheit

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