Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Industrie: smart³ als Worldcafé-Tischpate

Im Rahmen des futureSAX-Innovationsforums diskutieren über 100...

Neue Ausschreibungsrunde

smart³ schreibt erneut Projekte in den Säulen I, II & III aus.

 

Leitanwendung: Intelligente Implantate und Hilfsmittel

Im Bereich der Medizintechnik sollen insbesondere Implantate sowie Hilfsmittel, die den Heilungsprozess aktiv unterstützen, bzw. präventive Hilfsmittel entwickelt werden. Durch die Integration der Funktionswerkstoffe kann ein hoher Grad an Funktionsintegration erreicht werden. Insbesondere die sensorische (z.B. zur Erfassung des Patientenzustands direkt am Implantat) und die aktorische Applikation (z.B. die aktive Verankerung von Implantaten) liegen hier im Fokus der Entwicklung.

 

Leitanwendung: Intelligente Instrumente

Konventionelle passive chirurgische Instrumente mit sensorischer und aktorischer Funktionalität auszustatten ist ein weiteres Entwicklungsfeld im Themenfeld smart Health. Dank der Integration von smart materials erhalten die Operateure somit beispielsweise direktes Feedback über den Patientenzustand und den OP-Verlauf. Dank dieser Rückkopplung kann deutlich feinfühliger agiert werden.

FuE-Projekte Smart Health

Erweiterung des Funktionsumfangs medizinischer Hilfsmittel und Instrumente

Cumulino

Aktives Lagerungskissen mit Formgedächtnislegierung

Jährlich werden in Deutschland durchschnittlich 673.500 Kinder geboren. Zur Häufigkeit der Schädelasymmetrien gibt es unterschiedliche Angaben, u.a. differenziert nach dem Alter der Säuglinge. So sind bspw. 19,7% der Neugeborenen im vierten Lebensmonat davon betroffen. Dieser Anteil steigt in denjenigen Ländern, in denen von einer Liegeposition der Säuglinge in Bauchlage abgeraten wird, um so einem wesentlichen Risikofaktor des plötzlichen Kindstodes (SIDS) vorzubeugen.
Die Deformationen können durch Lageanomalien im Mutterleib oder postnatal verursacht werden. Unter einer Schädeldeformation versteht man das veränderte Wachstum des kindlichen Schädels, hervorgerufen durch äußerlichen Druck in Zusammenhang mit seinem schnellen Wachstum und der weichen Schädelstruktur (Plagiozephalus). Der Fakt, dass die Säuglinge in den ersten Lebensmonaten noch sehr immobil sind und deshalb viel auf dem Hinterkopf liegen, verstärkt den Effekt im negativen Sinn.

Im Rahmen des Projektes wird ein Lagerungskissen entwickelt, welches die Kopfbewegung von links nach rechts und umgekehrt erreicht. Realisiert wird dies durch eine kontinuierliche aber langsame Formveränderung. Dadurch werden, ohne den Schlaf zu stören, unterschiedliche Auflagepunkte des kindlichen Schädels angesprochen und eine positionsgebundene, dauerhafte Belastung vermieden. Folglich können Deformationen vorgebeugt und auch behandelt werden. Als Aktorik kommt ein lautloser Formgedächtnisaktor, integriert in einer Kunststoffkinematik, zum Einsatz. Die Umlagerung des Kopfes findet dabei in vom Nutzer festgelegten, elektronisch geregelten Zeitintervallen statt. Als integraler Bestandteil und als direkte Schnittstelle zum Patienten fungiert eine Textilstruktur. Eine zusätzliche Integration vorhandener Systeme wie Babyphone, W-LAN-Anbindung, Sensorik zur Überwachung des Kleinkindes, Sensorik zur Kopfpositionsbestimmung etc. soll im Rahmen des Vorhabens untersucht werden.

 

Cumulino wurde in einem Vorprojekt bereits als Demonstrator entwickelt.

FGL-Saug-/Spülsystem

Chirurgische Saug-/Spülsysteme aus Formgedächtnismaterialien

Die Stirnhöhle ist durch ihre spezielle anatomische Lage operativ besonders schwierig zu erreichen. Das operative Spektrum reicht von der Freimachung des Drainageweges durch die Siebbeinzellen (sogenannte Typ-I-Drainage nach Draf) bis zur maximalen Wegnahme des Stirnhöhlenbodens durch die Nase (Typ-III-Drainage). Besonders wichtig ist die endoskopische Wegnahme und Eröffnung von Siebbeinzellen welche die Stirnhöhlendrainage einengen. Dies verlangt den Einsatz spezieller Winkeloptiken und spezieller Stirnhöhleninstrumente.

 Bedingt durch die besondere Lage besteht unter Anwendung von konventionellen Instrumenten die Herausforderung, die Stinhöhle für die Präparation gut zu erreichen. Vorgegebene Biegungen an Instrumenten wie der Stirnhöhlenstanze, gebogene Zängchen oder Stirnhöhlensauger benötigen auch annähernd gleiche anatomische Strukturen. Stirnhöhlen, die schwer zu erreichen sind, machen die Erweiterung des knöchernen Stirnhöhlenzuganges durch Abtragen des Stirnhöhlenbodens erforderlich.

 

Im FuE-Projekt soll ein chirurgischer Sauger entwickelt werden, der in der geraden Ausgangsform in die Nase eingeführt wird, um dort wenig Platz einzunehmen. Anschließend soll das Instrument durch den Chirurgen "auf Knopfdruck" die eingeprägte gebogene Zielgorm einnehmen, damit die Nische des mittleren Nasengangs zwischen der Stirnhöhle und Nasenhaupthöhle besser erreicht werden kann. Dies soll mit Hilfe thermischer Formgedächtnislegierungen (FGL) umgesetzt werden. Die Aktivierung kann bsp. elektrisch über eine Widerstandserwärmung oder durch werwärmtes Spülwasser erfolgen.

Weiterhin soll die Entwicklung genutzt werden, um den konventionellen Stirnhöhlensauger um die Funktion eines Spülkanals zu erweitern. Bisherige Stirnhöhlenpräparationen erfordern einen stetigen Wechsel zwischen der Einführung eines Saugers und der Spülsonde.

Das Funktionsprinzip soll auch auf Saug-Spül-Vorrichtungen für Eingriffe in der Dental- sowie der Neurochirurgie übertragen werden.

 

Mit der individuell angepassten Form kann ein besserer Winkel erreicht und damit das Verletzungsrisiko minimiert werden. Die angepasste Form könnte dazu beitragen, weniger traumatisch zu operieren. Es wird angenommen, dass Instrumentenwechsel durch die Kombination von Sauger und Spülung reduziert werden und zu einem geringeren Verletzungsrisiko und damit höherer Patientensicherheit beitragen. Es besteht weiterhin die Annahme, dass diese Entwicklung auch zu einer Verkürzung der OP-Zeit führt.

FGL-Implantat

FGL-Implantate für die Dental-, Wirbelsäulen- und Beckenchirurgie

Im Rahmen des Basisvorhabens "Entwicklung von Implantaten mit integrierten Formgedächtnismaterialien für die Dental-, Wirbelsäulen- und Beckenchirurgie" konnten die Antragsteller erfolgreich die Umsetzbarkeit von Implantaten mit integrierten Formgedächtnis-Aktoren im Stadium eines Labor-Demonstrators zeigen.

 

Bei den entwickelten Implantat-Konzepten werden die integrierten Formgedächtnis-Elemente nach dem Einbringen des Implantats in den Körper durch die Körperwärme aktiviert und erzeugen dabei eine Druckkraft auf das knöcherne Umfeld. Dadurch erhöht sich die Primärfestigkeit (Verankerungsstabilität ohne Einwachsen des Implantats) nach dem Prinzip eines Dübels. Je nach chirurgischer Disziplin ergeben sich unterschiedliche anatomische Randbedingungen, die bei der Konstruktion Beachtung finden müssen.

 

In umfangreichen Recherchen wurden die klinischen, technischen und rechtlichen Randbedingungen und Anforderungen ermittelt. Dabei zeigte sich, dass der dringende Bedarf an erhöhter Primärfestigkeit von Schrauben-Implantaten durch integrierte Formgedächtnis-Elemente gedeckt werden kann. Zudem kann der Verankerungsmechanismus mit Formgedächtnis-Elementen umkehrbar gestaltet werden, sodass das Schrauben-Implantat im Falle einer Folgeoperation (Revision) wieder gewebeschonend entfernt werden kann.

 

In Hinblick auf die Biokompatibilität der Nickel-Titan Werkstoffe konnten derzeit keine negativen Studien oder Befunde festgestellt werden. Titan-Werkstoffe gelten in der Medizintechnik als state of the art. Nickel-Titan-Legierungen sind ebenfalls weit verbreitet und werden bspw. für Stents eingesetzt.

 

Das Konzept sieht ein Schrauben-Implantat für die Wirbelsäulen-Chirurgie vor, das aufgrund der anatomischen Randbedingungen im Wirbelkörper seitlich gegen dichte Knochenbereiche (Corticalis) presst.

 

Problemstellung Schraubenimplantate in der Becken- und Wirbelsäulenchirurgie

In der Becken- und Wirbelsäulenchirurgie kommen zur operativen Versorgung von Frakturen häufig Plattensysteme für die Osteosynthese zum Einsatz, die im Knochen verschraubt werden. Die Platten und Schraubenimplantate sollen dabei die Frakturteile möglichst in der vom Chirurgen geplanten Position mechanisch stabil fixieren, um die erfolgreiche Ausheilung der Fraktur zu ermöglichen.

 

Sowohl bei der Implantat-Erstversorgung als auch bei Folgeoperationen ist eine sichere Verankerung und hohe Primärstabilität direkt nach dem Einbringen des Schraubenimplantats im knöchernen Umfeld entscheidend für den klinischen Erfolg der Therapie. Um die gesundheitlichen Risiken, die enorme Belastung für den Patienten und die hohen Kosten von Folgeoperationen zu vermeiden, ist die Verbesserung von Schraubenimplantaten und deren Standzeiten unumgänglich.

 

Häufiger Grund für Folgeoperationen (Revisionen) ist das Versagen des Verankerungselements aufgrund septischer, wie auch aseptischer Lockerungen in Folge von Mikrobewegungen an der Implantat-Knochen-Schnittstelle. Besonders problematisch stellt sich eine stabile Verankerung in Knochenregion dar, die z. B. durch Osteoporose degenerativ, oder durch vorhergehende Operationen geschädigt sind.

Problemstellung Zahnimplantate in der Dentalchirurgie

In der Dentalchirurgie treten durch Entzündungs- und Abstoßungsreaktionen in ca. 5 % der Fälle (ca. 50.000 Fälle pro Jahr) Implantat-Lockerungen auf, die zu einem Versagen der Implantate führen. Ein Großteil der frühzeitigen Implantat-Verluste ist ebenfalls auf mangelhafte Primärstabilität zurückzuführen, was u.a. Komplikationen während der Einheilung und unzureichendes Anwachsen des Knochens an das Implantat zur Folge hat. Derartige postoperative Komplikationen führen zu Entzündungen und einem Rückgang der Schleimhaut und ziehen eine aufwändige und kostenintensive Nachbehandlung des Patienten nach sich.

 

Zudem werden Zahnimplantationen derzeit aufgrund der nicht ausreichenden Primärfestigkeit oftmals zweizeitig durchgeführt. Das bedeutet, dass zunächst in einer ersten Operation das Verankerungselement eingebracht wird, das anschließend versiegelt und ohne den Zahnaufbau in den Knochen einheilen soll. Nach 4-6 Monaten gilt der Eingriff in den Knochen als ausgeheilt und es folgt eine zweite Operation, in der der eigentliche Zahnersatz eingebracht werden kann.

 

Die heute am Markt erhältlichen Implantatsysteme setzen zur Erhöhung der Primärstabilität lediglich auf ein mechanisches Verpressen des Knochenmaterials durch den Einsatz von zwei unterschiedlichen Gewindesteigungen. Dazu ist im oberen Teil der Schraube ein feineres Gewinde vorgesehen. Dabei wird jedoch eine Schädigung des knöchernen Umfelds und damit verbunden eine höhere Ausheildauer in Kauf genommen.

Problemstellung Bandscheibenersatz (Cage)

Im Zuge der Bearbeitung des Basisvorhabens konnte in Zusammenarbeit mit den klinischen Partnern, ergänzend zu den Schraubenimplantaten mit integrierten Formgedächtnis-Elementen ein weiteres Anwendungsfeld erschlossen werden. Es wurde die These aufgestellt, dass sich die aktiven Eigenschaften der Formgedächtnislegierungen auch bei der Entwicklung eines neuartigen, anatomisch angepassten Bandscheibenersatzes in Form eines Cages nutzen lassen.

 

Bei schweren Bandscheibenvorfällen, sowie massiven Verengungen des Wirbelkanals ist es oftmals nötig, die betroffene Bandscheibe vollständig zu entfernen. In den Wirbelzwischenraum wird daraufhin ein Platzhalter (Cage) eingesetzt, der die Wirbelsäule stabilisiert und den alltäglichen Belastungen standhalten muss. Derzeit werden Cages zum Bandscheibenersatz als massive, starre Blöcke ausgeführt, die von ihrer Form her nicht an die anatomischen Gegebenheiten angepasst worden sind

Inhalte und Ziele des Projektes

Mit dem geplanten Folgeprojekt soll zum einen das Basisvorhaben erfolgreich weitergeführt werden, um die Entwicklung von Implantaten mit integrierten Formgedächtnis-Elementen zur aktiven Verankerung und Erhöhung der Primärstabilität voranzutreiben.

 

Darüber hinaus sollen Strukturen und Abläufe für eine umfassende Planungs-Prozesskette geschaffen werden, in die die neuartigen Implantate in Rahmen einer ganzheitlichen Behandlungsstrategie eingebettet werden. Den Chirurgen der beteiligten Disziplinen (perspektivisch sind Erweiterungen geplant) soll eine Planungs-Prozesskette von der 3D-Planung der Implantation, über die Testung in anatomisch realistischer Knochenumgebung, bis hin zur effizienten Fertigung ermöglicht werden. Unter Einbeziehung von Technologien nach dem Stand der Technik bietet sich eine strukturierte, behandlungs- und patientensichere Versorgung.

 

Ein besonderer Forschungsschwerpunkt liegt zudem auf Untersuchungen zur Implantat-Knochen-Schnittstelle. Bestehende Modelle können die anatomisch realistischen Verhältnisse nur unzureichend abbilden, so dass detaillierte Wechselwirkungen zwischen Implantat und Knochen im Implantat-Planungsprozess bisher keine Berücksichtigung finden. Handlungsbedarf besteht, da diese Schnittstelle oftmals Ausgangspunkt von Entzündungen ist und der Knochen bei Fehlbelastung vom Implantat beschädigt wird oder zurückweicht.

 

Für das Projekt ergeben sich folgende Zielstellungen:

  • Weiterentwicklung der im Basisvorhaben von den beteiligten chirurgischen Disziplinen (Dental-, Becken- und Wirbelsäulenchirurgie) erstellten Konzepte für Schrauben-Implantate mit integrierten Formgedächtnis-Elementen, insbesondere in Hinblick auf die Verankerung in osteoporotischen, bzw. durch vorhergehende OPs geschädigten Knochen
  • Erweiterung der materialtechnischen Betrachtungen zur umfassenden Beschreibung der Wechselwirkungen zwischen Implantat und Knochen
  • Entwicklung von experimentellen und numerischen Analysen zur umfassenden Beschreibung der Implantat-Knochen-Schnittstelle und Auslockerungsmechanismen
  • Entwicklung effizienter Fertigungs- und Montagestrategien zur Überführung der unter Laborbedingungen erstellten Demonstratoren in ein Funktionsmuster 
  • Übertragung der Konzepte für Schraubenimplantate mit integrierten Formgedächtnis-Elementen auf andere Bereiche des menschlichen Körpers 
  • Entwicklung eines neuartigen Cages zum Bandscheibenersatz mit integrierten Formgedächtnis-Elementen, mit dem Ziel, den Cage möglichst gewebeschonend einbringen zu können, um die Schwere des Eingriffs zu reduzieren und körpereigenes, gesundes Knochenmaterial zu schonen

Extraplant

Superelastisches Implantat zur Behandlung der Trachealstenose

Durch verbesserte intensivmedizinische Therapien kann die Überlebensrate von Patienten mit schweren und schwersten Erkrankungen (Schlaganfälle, Herzinfarkte etc.) oder Unfallverletzungen stetig erhöht werden. Während der intensivmedizinischen Behandlung werden die Patienten dabei über längere Zeit beatmet und zur Erleichterung des Entwöhnungsprozesses von der Beatmung oft tracheotomiert. Allein in Deutschland werden schätzungsweise ca. 44.000 Tracheotomien (Luftröhrenschnitte) pro Jahr durchgeführt. Bei etwa 10% der langzeitintubierten Patienten kommt es in der Folge zu einer Luftröhrenverengung (Trachealstenose). Neben der Langzeitintubation und der Tracheotomie gibt es noch weitere Ursachen für die Entstehung von Trachealstenosen, wie zum Beispiel Kompression von außen (etwa durch eine vergrößerte Schilddrüse). Patienten jeden Alters – vom Kleinkind bis zum Senior – können von dieser Erkrankung betroffen sein.

Bisher werden Trachealstenosen mittels aufwändiger Operationen versorgt. Ziel der Tracheal-Chirurgie ist häufig die operative Beseitigung von Engstellen. Im Zentrum der Trachealchirurgie stehen die Entfernung des zu engen Luftröhrensegmentes und die "End-zu-End-Anastomose" (Naht) der beiden gesunden Luftröhrenenden.

Der Einsatz von Stents erfolgt stets nur vorübergehend und nie dauerhaft. Stents sind aufgrund konzeptueller Nachteile eine Quelle vielfältiger Patientenbeschwerden. Ein Hauptgrund dafür ist die fehlende Epithelialisierung der Stentoberfläche, die im nicht sterilen Trachealraum zu Infektionen führt. Eingriffe mit Stents implizieren daher immer Folgeeingriffe.

Auch beim Totalersatz eines Teils der Luftröhre durch ein Implantat nach erfolgter Trachealquerresektion (Entfernung eines Teils der Luftröhre einschließlich der enthaltenen Knorpelspangen) sind bisherige Therapielösungen unzureichend. Etablierte Starrimplantate, beispielsweise aus Glaskeramikwerkstoffen, stellen keine dauerhafte Lösung dar und führen zudem zu einer eingeschränkten Bewegungsfreiheit von Kopf und Hals.

Das oben beschriebene Therapiedefizit ist der Ausgangspunkt des geplanten Forschungsprojekts. Der zentrale Forschungsgegenstand ist ein Konzept für eine neuartige Klasse von Tracheaimplantaten, die zum dauerhaften Verbleib im Körper vorgesehen sind.

Im Gegensatz zu Trachealstents, die die Luftröhre von innen stützen, oder starren keramischen Implantaten, handelt es sich bei der neuartigen Klasse von Tracheaimplantaten um hochflexible, exoskelettartige Konstruktionen aus NiTi-Werkstoffen, die von außen auf der Trachea angebracht werden, mit der Trachea zusammenwachsen sollen und dann eine stützende und formerhaltende Funktion ausüben.

Für ein optimales Einwachsverhalten und eine biomechanisch optimierte Anpassung des Implantates erfolgt eine Mikro- und Makrostrukturierung der Oberfläche. Wird das Implantat nach einer Trachealquerresektion eingesetzt, so übernimmt es direkt die Funktion der entfernten Trachea und wird selbst zu einem Teil der Luftröhre. Im Rahmen eines angepassten Operationsverfahrens erhält das Implantat auf seiner Innenseite eine Auskleidung mit Schleimhaut. Diese Auskleidung stellt zum einen die Abdichtung der Luftröhre sicher und ist zum anderen ein wirksamer Schutz vor Infektionen.

Das Gesamtziel des Projekts umfasst die Entwicklung des Implantatkonzepts, die Umsetzung im Labormaßstab einschließlich der erforderlichen biomechanischen und klinischen Versuche sowie die Entwicklung der Prozesskette zur zukünftigen Herstellung der Implantate. Ein eigenes Patent für das Implantatkonzept wurde bereits angemeldet.

FGLSensOPro

Hochelastische Dünnschicht-FGL-Dehnungssensorik zur Materialintegration in der Orthetik und Prothetik

Ziel des Projektes „FGLSensOPro“ ist die Entwicklung und Erprobung eines funktionsfähigen, kostengünstigen Sensorsystems sowie dessen Integration bzw. Applikation in Faser-Kunststoff-Verbunden (FKV) mit den Anwendungsschwerpunkten Prothetik und Orthetik. Als dehnungssensitives Material sollen mittels Mikrosystemtechnologie abgeschiedene FGL-Dünnschichten eingesetzt werden.

Durch die innovative Kombination von Dünnschicht-FGL-Strukturen mit der Einbettung in FKV-Strukturen entsteht ein Sensorsystem welches viele Vorteile vereint. Durch die Verwendung des FGL-Dünnschicht-Materials können deutlich mehr Lastzyklen als mit DMS erreicht werden. Die Sensorstruktur soll zusätzlich so ausgelegt werden, dass sie temperaturunempfindlich ist, sich leicht in FKV-Strukturen integrieren lässt, und Messdaten sich durch den sehr hohen k-Faktor sehr gut sowie kostengünstig z. B. per Smartphone auslesen lassen. Die Technologie eignet sich auch für eine Skalierung in der Serienproduktion, insbesondere mit der Kombination der gestickten Fixierung.
Zur Bereitstellung von Dehnungssensoren mit großer elastischer Dehnbarkeit sollen Sensoren aus pseudoelastischen Formgedächtnislegierungen (FGL) genutzt werden. Ziel ist es Sensorstrukturen mit einer Dehnbarkeit von bis zu 8 % umzusetzen. Für große Zykluszahlen sollen Dehnungen von bis zu 3 % ermöglicht werden. Diese hohen Dehnungen sind mit bisher existerienden DMS nicht erreichbar. Hier sind FGLs gefordert, die eine hohe Zyklenstabilität aufweisen, bspw. TiNiCu-basierte Legierungen. Dünnschicht-Verfahren sollen dabei zur Herstellung der Sensorstrukturen aus den für die anvisierten Anwendungen optimierten Legierungen eingesetzt werden. Mittels Dünnschichtverfahren wird zudem die Umsetzung der elektrischen Isolation und das Anbringen von Schichten zur direkten und einfachen Kontaktierung beabsichtigt. Die Integration von Sensorstrukturen auf bzw. in FKV-Strukturen durch die Entwicklung der erforderlichen Verfahren ist ein weiteres Ziel des Vorhabens. Der erreichte k-Faktor (Verhältnis aus relativer Widerstandsänderung zur relativen Dehnung) der Sensoren soll im eingebetteten Zustand größer als 5 und damit besser als bei vielen herkömmlichen DMS sein.

Als Endergebnis werden Demonstratorstrukturen für Prothesen und Orthesen mit integriertem FGL-Sensor realisiert und evaluiert, welche die Erfassung von inneren Verformungen erlauben. Damit wird ein robustes System zur dauerhaften Dehnungsmessung in FKV-Strukturen geschaffen. Die zur Aufnahme und Verarbeitung der Messdaten erforderliche Kontaktierung und Elektronik wird ebenfalls prototypisch umgesetzt. Nach erfolgreichem Abschluss des Vorhabens liegen demnach alle Voraussetzungen vor, um konkrete Bauteilanwendungen insbesondere im Bereich der Medizintechnik sowie des Automobilbaus, des Rotorblattbaus oder des Maschinen- und Anlagenbaus (z. B. Produktionsanlagen) zu erschließen.

Ziele

  • Aufbau eines Sensorsystems zur medizintechnischen Anwendung in der Prothetik und Orthetik
  • FGL-Dünnschicht-Sensor für wiederholte Dehnungen bis zu 8% bei Zykluszahlen <10.000 und bis zu 3% für Zykluszahlen >100.000
  • Temperaturstabiles Messsignal des FGL-Dünnschicht-Sensors mit gutem Signal-Rausch-Verhältnis
  • Realisierung einer soliden und zuverlässigen An- und Verbindungstechnik für FGL-Sensoren
  • Aufbau eines Prothesen/Orthesen Demonstrators

IPUCLEAN

Intelligentes piezoelektrisches Ultraschallsystem zur Erhöhung der Reinigungs- und Schneidleistung von Wurzelkanalfeilen aus FGL

Gegenstand des geplanten Vorhabens IPUCLEAN ist die Erforschung eines piezoaktorisch getriebenen Ultraschallreinigungssystems zur Unterstützung der Wurzelkanalbehandlung mit rotierenden superelastischen Wurzelkanalfeilen aus Formgedächtnislegierungen. Im Ergebnis liegt ein validierter Funktionsdemonstrator des Behandlungswerkzeuges in Echtgröße vor. Das System beruht auf einer neuartigen miniaturisierten piezoelektrischen Schwingungsaktorik, angepasst an die Eigenschaften der superelastischen Wurzelkanalfeile, einer Überwachung des Wurzelkanalwerkzeuges sowie einer integrierten Elektronik für Steuerung, Leistungselektronik und Behandlerinterface. In Gesamtheit entsteht ein closed-loop-System, dass autonom die Reinigung des Wurzelkanals und des Wurzelkanalwerkzeugs direkt im Zahn, integriert im Behandlungsverlauf übernimmt. Gleichzeitig verhindert das System kritische Betriebszustände, die zur Zerstörung des Aufbereitungswerkzeuges im Zahn führen können. Das System bietet somit eine Erhöhung der Behandlungssicherheit und des Behandlungserfolges bei gleichzeitiger Verkürzung der Behandlungsdauer, woraus eine spürbare Verbesserung für Behandler und Patient resultiert. Mit Blick auf die durch die EU vorangetriebene ROHS1-Direktive werden in dem Projekt erste kommerziell zur Verfügung stehende bleifreie Piezokeramiken aufgenommen und in Schwingungsaktoren umgesetzt.

Der Hintergrund des Vorhabens stellt sich wie folgt dar. Die Aufbereitung von Zahnwurzeln ist notwendig, um organisches Gewebe zur Vermeidung protrahierender entzündlicher Erkrankungen aus dem Wurzelkanal zu entfernen und somit den Erhalt des Zahnes sicherzustellen. Dabei handelt es sich um eine für die Betroffenen (ca. 18% der gesetzlich versicherten Kassenpatienten zwischen 30 und 50 Jahren) dennoch sehr unangenehme Routinebehandlung, die in Deutschland ca. 7,5 Millionen Mal im Jahr durchgeführt wird. Wurzelkanalfeilen, welche um ihre Längsachse mit ca. 200 Umdrehungen pro Minute rotieren, ermöglichen eine gute Ausräumung des Wurzelkanals bei hoher Güte der Kanalwand. Bei der typischen Behandlung führt der Behandler eine langsame periodische Vorschub-Rückzugbewegung mit der Feile aus, während die Feile nicht vollständig aus dem Wurzelkanal herausgezogen wird. Diese Bewegung wird als picking-motion bezeichnet. Aufgrund der natürlichen Krümmung des Wurzelkanals treten Torsionsbelastungen infolge von Reibmomenten auf. Infolge des typisch auftretenden mangelnden Abtransportes des abgetragenen Zahnmaterials (Dentin) kommt es außerdem zum Zusetzen der Feilenspanräume, wodurch die Feilenbeanspruchung verstärkt wird. Letztlich kann dies zum Feilenbruch führen, woraus der Abbruch der Behandlung resultiert und das Feilenbruchstück im Zahn verbleiben muss. Aus diesem Grund sieht die Behandlungsroutine die zeitaufwändige Reinigung der superelastischen Feile aus Formgedächtniswerkstoff und des Wurzelkanals durch das vollständige Herausziehen der Feile und der Verwendung eines separaten Spülwerkzeuges vor. Um Zeit zu sparen, werden vom Zahnarzt häufig die Feilenreinigung und Kanalspülung reduziert angewendet oder unterlassen, was das Risiko von Feilenbrüchen erhöht. Das im Vorhaben verfolgte intelligente Ultraschallsystem löst dieses Problem durch eine autonome Reinigung der Zahnfeile und des Wurzelkanals während des routinemäßigen Behandlungsablaufs.

KEIFFON

Neuartige intelligente Fixationsmechanismen für modular aufgebaute künstliche Hüftpfannen und Köpfe aus Keramik in Verbindung mit Formgedächtnis-Legierungen

Moderne Hüftimplantate sind häufig modular aufgebaut, um die Revision einzelner Implantat-Komponenten zu ermöglichen. Im Rahmen einer Revision treten in einigen Fällen jedoch Probleme auf, die sowohl die Verbindung zwischen dem Pfannengehäuse und einem Insert als auch die Verbindung zwischen einem Stielkonus und einem Kugelkopf betreffen. Ein Problem ergibt sich, wenn ein keramisches Insert aus dem Pfannengehäuse entfernt werden muss. Das Lösen des Inserts soll intraoperativ durch einen Schlag auf den Rand des Inserts erfolgen, dabei besteht jedoch die Gefahr von Randabplatzern und Brüchen, außerdem ist dieses Vorgehen, nach Markteinschätzungen, in nur 30% der Revisionen erfolgreich.

Ein weiteres Problem betrifft die Verbindung von Stielkonen und Revisionsköpfen. Im Falle eine Revision des Kugelkopfes kann es zu Schädigungen des Konus kommen. In diesem Fall werden spezielle Revisionsköpfe eingesetzt, welche eine metallische Adapterhülse im Kugelkopf aufweisen, die den Bruch des keramischen Kopfes vermeiden soll. Bei diesem System kommt es jedoch häufigzu insuffizienten Rotations- und Abzugsfestigkeit der modularen Verbindung.

Ziel des Projektes ist es, Formgedächtnislegierungen (FGL) für modulare Hüftimplantate zu verwenden, um die zuvor genannten Probleme zu lösen. Konkret sollen Konzepte und technische Systeme erarbeitet werden, die ein einfaches, zerstörungsfreies Herauslösen eines keramischen Inserts aus einer modularen Hüftpfanne sowie eine abzugs- und rotationsstabile Verankerung eines keramischen Revisionskopfes auf einem in-situ verbleibenden Stielkonus ermöglichen.

Im vorliegenden Verbundprojekt sollen neuartige intelligente Fixationsmechanismen für modular aufgebaute künstliche Hüftpfannen und Köpfe aus Keramik in Verbindung mit Formgedächtnis-Legierungen erforscht und evaluiert werden. Um hiermit das Herauslösen des Keramik-Inserts aus dem Pfannengehäuse zu vereinfachen, sollen FGL-Elemente am Keramikinsert angebracht werden, welche das Insert bei einem gezielten Temperatureintrag aus der Pfannenschale drücken bzw. bei Körpertemperatur in vivo die Verklemmung von Insert und Pfannengehäuse stabilisieren, jedoch die Verklemmung nach einem gezielten Temperatureintrag verringern. Dadurch wird das Lösen des Inserts für den Operateur vereinfacht, d.h. ein definiertes Entfernen des zu wechselnden Inserts wird ermöglicht und das Risiko von keramischen Insertbrüchen, während der Wechseloperation minimiert. Weiterhin wird das Risiko für abgeriebenes Material von Implantat oder Ausschlaginstrument, welches beim Entfernen der Inserts unter Gewalteinwirkung entstehen kann, minimiert. Eine Belastung des Interfaces zwischen acetabulärem Knochen und Pfanne, die zum Abscheren der Knochentrabekel von der Außenseite des Implantates führen kann, wird ebenfalls ausgeschlossen. Dadurch werden Folgeschäden vermieden und die Standzeiten können für die Revisionsimplantate verbessert werden.

Im Falle der Revision von keramischen Kugelköpfen soll der keramische Revisionskopf mit FGLElementen ausgerüstet werden, welche sich durch Temperatureintrag mittels eines speziellen Werkzeugs ausdehnen und dadurch eine feste und rotationsstabile Konusverbindung erzielen. Damit sollen hohe Fügekräfte erzeugt werden, ohne dass dafür hohe Setz- bzw. Aufschlagkräfte für den keramischen Revisionskopf mit dem einhergehenden Risiko des Implantatbruchs benötigt wird. Hierdurch wird letztlich die Implantatsicherheit in Verbindung mit geschädigten Stielkonen erhöht.

SmartMat

Intelligente Matratze zur Dekubitus-Prophylaxe

Druckgeschwüre stellen eine der größten Herausforderungen dar, mit denen sich die Medizin bei der Pflege immobiler Patienten auseinandersetzen muss. Vorsichtigen Schätzungen der Gesundheitsbe-richterstattung des Bundes zufolge erleiden jährlich ca. 400.000 Patienten einen Dekubitus, obgleich die Dunkelziffer deutlich höher liegen dürfte. Unter den Zeichen der vorauszusehenden demografischen Entwicklung wird diese Problematik zukünftig an Bedeutung gewinnen. Der zunehmende Kostendruck, der auf dem Gesundheitssystem lastet, verschärft diese Problematik zusätzlich.

Wesentlich für die Entstehung von Dekubitus ist ein anhaltender Druckzustand (verursacht durch Immobilität) auf empfindliche Hautpartien (vor allem Hautpartien, die nur wenig überdeckendes Gewebe bis zum Knochen haben) in Verbindung mit erhöhten Temperaturen und Feuchtigkeit. Weiterhin spielt die Konstitution des Patienten eine große Rolle. Zwar existieren verschiedene Methoden, um der Entstehung von Dekubitus vorzubeugen, jedoch weisen diese bisher noch erhebliche Nachteile auf. Weichlagerungssysteme verteilen zwar den Druck relativ gleichmäßig auf den Körper, berücksichtigen jedoch nicht die unterschiedliche Empfindlichkeit verschiedener Körperpartien. Wechseldrucksysteme, meist pneumatisch, können die Druckverteilung in vorgegebenen Zyklen variieren und somit eine zu lange andauernde Belastung einzelner Körperpartien verhindern. Durch den benötigten Kompressor entsteht eine Lärm- und Schwingungsbelastung, die vom Patienten oft als störend empfunden wird. Zudem verhindert die notwendige Dichtheit eine ausreichende Lüftung der belasteten Körperpartien, was die Entstehung von Dekubitus befördert. Eine sensorische Erfassung der kritischen Parameter Druck, Temperatur und Feuchtigkeit ist nicht bekannt.

Das Ziel des Projektes ist deshalb die Entwicklung einer intelligenten Matratze zur Dekubitus-Prophylaxe, einschließlich des dazugehörigen Überwachungs- und Regelungssystems. Dabei existieren im Wesentlichen drei Handlungsstränge:
Aktorik: Mittels Aktorik wird eine Variation der Druckverteilung zwischen Matratze und Patienten angestrebt. Sie soll sich einerseits gut in die textile Umgebung integrieren lassen, anderseits jedoch gleichzeitig eine offene Bauweise ermöglichen, die eine ausreichende Hinterlüftung erlaubt. Als Anforderungen an die Aktorik sind zu nennen: lautlose Funktionalität, möglichst energiesparender Betrieb sowie Beständigkeit beim Waschen und Desinfizieren im eingebauten Zustand. Zudem soll die Aktorik eine modulare Bauweise ermöglichen, um einerseits die Fertigungskosten gering zu halten und andererseits auch Matratzen nur in Teilbereichen mit dem System auszustatten. Formgedächtnislegierungen (FGL) bieten sich hier als Aktorprinzip an. Als relativ flexible, nachgiebige Aktorik können Aktorelemente aus FGL gut in das Textil integriert werden.

Sensorik: Das sensorische Konzept besteht aus verschiedenartigen Einzelsensoren. Dabei ist von Interesse, wesentliche Anhaltspunkte für dauerhafte, lokale Belastung von Körperpartien zu erfassen, welches mithilfe der Messgrößen Druck, Temperatur und Feuchtigkeit bewerkstelligt wird. Langanhaltende, örtliche Druckbelastung ist eine wesentliche Ursache für Dekubitus. Mit einhergehen der Anstieg der Körpertemperatur sowie die Absonderung von Feuchtigkeit. Die sensorische Erfassung dieser Größen sollte durch speziell angepasste intelligente Textilien und Minisensoren erfolgen, welche im Rahmen des Projektes entwickelt bzw. für den speziellen Anwendungsfall angepasst werden. Hierbei ist deutlich zu formulieren, dass grundlegende Entwicklungen bereits erfolgt sowie die Funktion nachgewiesen sind, jedoch noch keine großflächigen Sensoren für die betrachtete Anwendung am Markt zur Verfügung stehen. Durch eine gewollte Nachgiebigkeit der Matratzenoberfläche müssen Sensoren so ausgelegt werden, dass sie von Patienten als nicht unmittelbar störend empfunden werden. Die Integration in die nachgiebige Matratzen-Matrix – ohne Einbuße der sensorischen Eigenschaften – ist hier ein wesentlicher Untersuchungspunkt. Weiterhin bedingt eine flächenmäßig große Abdeckung mit Sensoren, dass die Produkte erschwinglich sind.

Regelung: Die mittels der Sensorik erfassten Zustandswerte werden mit patientenspezifischen Daten kombiniert, um daraus ein patientenspezifisches Risikomapping zu erstellen. Ein zu entwickelnder Algorithmus berechnet daraus iterativ eine im Sinne der Dekubitusprophylaxe optimale Druckverteilung und übergibt die Sollwerte an die Aktor-Sensor-Module, die wiederum den geforderten Druck einstellen. Daneben werden die erfassten Daten in einer Datenbank gespeichert, so dass ein quantitatives Erfahrungswissen entsteht, welches für zukünftige Forschungsarbeiten genutzt werden kann. Das System soll über eine intuitive Benutzeroberfläche verfügen.

Als Ergebnis des Projektes entsteht der Demonstrator eines intelligenten Systems, das sowohl die für die Entstehung von Dekubitus relevanten Faktoren aufzeichnen, auswerten und bewerten kann als auch durch eine adaptive, regelbare Drucksteifigkeit wirksam der Entstehung von Dekubitus vorbeugen kann. Die Nachteile der bisher existierenden Lösungen (fehlende Luftdurchlässigkeit, hoher apparativer Aufwand) werden dabei vermieden.

SmartMicroFluidicActuator

Mikropumpen auf Basis von MSM

Das Projekt SmartMicroFluidicActuator („SMFA“) hat das Ziel, die aktorische Charakteristik von Magnetic Shape Memory (MSM) Elementen als Pumpmechanismus zu nutzen, zu entwickeln und sukzessive in großer Anwendungsbreite zu verwerten. Die zu entwickelnde Pumpe soll im Förderbereich 10 nl/min bis 2 ml/min zum Einsatz kommen. Das erste zu adressierende Marktsegment ist die Point-of-Care (PoC) Diagnostik, die als neue Technologie ein hohes Wachstumspotenzial im Bereich Life Science besitzt. Die Anwendbarkeit des Pumpprinzips soll stellvertretend in zwei Pilotanwendungen gezeigt werden, einmal in einer Medikamenten- bzw. Wirkstoffdosierung sowie in Allergietest-Systemen.

Klinische Tests sind in der Projektlaufzeit nicht vorgesehen. Obwohl der Grundgedanke einer MSM-Pumpe (vgl. Abschnitt 3) bereits seit geraumer Zeit bekannt ist, existiert aufgrund der fehlenden industriellen Herstellung von langzeitstabilen MSMElementen bisher kein industriell verfügbares Pumpsystem. Da Pumpen typischerweise einen hohen Diversifikationsgrad haben, soll die Entwicklung eines neuen mikrofluidischen, MSM-basierten Pumpsystems universell für die Anwendung in weiteren Bereichen (Medizintechnik, Maschinenbau, Chemie, Pharma u.a.) gehalten werden.

Die neue Lab-on-Chip-Technologie für Point-of-Care-Anwendungen soll aufgrund der hohen Wachstumsrate als erstes Marktsegment adressiert werden. Hier ist für die patientennah eingesetzten Einmal-Analysesysteme eine kostengünstige Lösung ("Disposable") beim Fördern kleinster Flüssigkeitsmengen gefordert. Der Zielpreis der bereitgestellten Funktion sollte unter 2 € liegen. Daraus ergibt sich die Forderung einer trennbaren Adaption des Fördermechanismus an entsprechende Chips als Ausführung, d.h. mindestens der Pumpenantrieb ist nicht Teil des Disposables.

Aufgrund der Neuheit der MSM-Technologie in der industriellen Umsetzung ist es notwendig, anwendungsspezifische Grundlagen zu erarbeiten. Die Verfahren zur Fertigung von MSM-Elementen haben entscheidenden Einfluss auf die Lebensdauer des Antriebs und sollten, je nach Anwendung, bis 20.000 Betriebsstunden sicherstellen. Dies gilt auch für das notwendige elastische Dichtsystem, das die Bewegungszyklen bis zum Ende seiner Lebenszeit möglichst verschleißfrei erreichen soll.

Die Aktuierung des MSM-Elementes durch ein orts- und zeitveränderliches Magnetfeld muss dabei die optimale Verformung für die Fluidförderung sicherstellen. Hierzu ist ein elektromagnetisches Antriebssystem zu entwickeln, das die Wanderwellenbewegung induziert und das kostengünstig produziert werden kann. Um eine optimale Kopplung von Antriebssystem und MSM-Element konzipieren zu können, muss die elektromagnetisch aktuierte Materialverformung simuliert werden. In einem zweiten Schritt ist der fluidische Wirkmechanismus, definiert durch ausgewählte Aufbaukonzepte, ebenfalls simulationstechnisch zu untersuchen. Anwendungsspezifische Funktionsmuster werden im dritten Schritt realisiert und erprobt.

Zellisolator

Entwicklung eines in vivo Zellisolators auf Basis einer Formgedächtnislegierung zur Gewinnung von seltenen zirkulierenden Tumorzellen aus peripherem Blut

In der Onkologie konnten in den vergangenen Jahrzehnten wesentliche Fortschritte sowohl in der frühzeitigen Erkennung von Krebserkrankungen als auch deren Therapie verzeichnet werden. Trotz aller Verbesserungen kann es bei der Entstehung und dem Wachstum von Primärtumoren bereits früh im Krankheitsverlauf zu einer hämatogenen Streuung von Tumorzellen kommen, was die Gefahr von Metastasierungen erhöht. Bisher etablierte diagnostische Verfahren sind neben der allgemein bestehenden Problematik von Sensibilität und Sensitivität in der Aussage dadurch begrenzt, dass sie sich lediglich auf ein durch die Technik der Probennahme limitiertes Volumen beziehen, von dem man auf das gesamte Organ bzw. den Organismus extrapoliert. Eine Vielzahl von Faktoren wie z.B. die Art der Probenahme, die Verteilung von pathologischen Zellen (z. B. circulating tumor cell, CTC) im Blut bzw. die Ausdehnung von Tumorgewebe im Organismus beeinflussen die Erfassung pathologischer Merkmale. CTCs können aufgrund ihrer physikalischen und biologischen Eigenschaften mit diversen Technologien aus dem Blut isoliert und anschließend zur weiterführenden Diagnostik, Prognose der Erkrankung und Therapieanpassung genutzt werden. Gemäß der aktuellen Literatur liegt z.B. die avisierte Nachweisgrenze für CTCs bei ca. 9 Zellen pro Liter menschlichen Blutes. Herkömmliche Verfahren mittels Entnahme von bis zu 30 mL Blut sind für diesen Nachweis nicht ausreichend sensitiv, nur die in vivo Anreicherung dieser Zellen kann die Limitierung überwinden. Die GILUPI GmbH stellt derzeit den GILUPI CellCollector® her, mit dem bereits in vivo seltene Zellen angereichert werden können. Dieses Medizinprodukt besteht im wesentlichen aus einem Edelstahldraht mit einem Durchmesser von 0,5 mm, der mit Gold und Polymer beschichtet ist. Auf der Polymeroberfläche (zellabweisend) sind spezifische Antikörper kovalent gebunden (anti-epithelial cell adhesion molecule; anti-EpCAM) und ermöglichen es, Antigen-exprimierende Zellen1 spezifisch zu binden. Nach Einführen in die Armvene eines Patienten werden die seltenen Zellen an der funktionalisierten Oberfläche angereichert. Die Limitierung dieses Verfahrens liegt in mindestens drei Bereichen: 1. kommen bedingt durch die Geometrie (Durchmesser der Vene ca. 3 mm, Produktdurchmesser 0,5 mm) nicht alle passierenden seltenen Zellen in Kontakt mit Produktoberfläche und 2. exprimieren nicht alle Zielzellen das durch die kovalent gebundenen Antikörper anvisierte Antigen. 3. können vereinzelt Blutzellen mittels Fc-vermittelter Bindung (schwere Kette des kovalent gebundenen Antikörpers) unspezifisch an das Produkt binden. Da die seltenen Zellen in möglichst reiner Form isoliert werden müssen, um optimal für nachfolgende molekularbiologische Analysen zur Verfügung zu stehen, muss diese unspezifischen Bindung verhindert werden. Mit dem nachfolgenden Projektplan sollen alle drei Problembereiche adressiert werden.

Im Projekt soll ein Funktionsmuster eines Zellisolators auf Basis einer Formgedächtnislegierung zur Gewinnung von seltenen zirkulierenden Tumorzellen (CTCs) aus peripherem Blut entwickelt werden. Für nachfolgende molekularbiologische Analysen sollten möglichst viele Tumorzellen in Kontakt mit der Oberfläche des Zellisolators kommen, spezifisch gebunden und in reiner Form isoliert werden.

Aufgrund seiner Anwendung in venösen Gefäßen soll das System eine hohe mechanische Elastizität aufweisen. Um einen größeren Anteil des vorbeiströmenden Blutes zu erfassen und die Anlagerung der zirkulierenden Tumorzellen zu unterstützen, muss die funktionale Oberfläche des Zellisolators vergrößert werden. Das soll einerseits durch eine neue Konstruktion und andererseits durch die Oberflächenstrukturierung geschehen. Das Design könnte z.B. aus Mehrfachverstrebungen bestehen, welche sich im Gefäß leicht entfalten lassen. Aus diesem Grund soll eine strömungstechnische Optimierung stattfinden. Zusätzlich wird die Oberfläche der einzelnen Strebenelemente durch eine gezielte Laserstrukturierung zu maximieren anvisiert. Darüber hinaus besteht der Anspruch, dass der Zellisolator nach Entnehmen leicht in seine Einzelelemente zerlegt werden kann. Dies ist für die nachgeschaltete Diagnostik von Vorteil.

Neben dem bisher verwendeten Material (Edelstahl) werden alternative Materialien (z.B. Nitinol in Kombination mit Polymeren und Edelstahl) auf ihre Anwendbarkeit untersucht. Es muss die Eignung zur Beschichtung mit Polymeren geprüft werden, hier wird Fokus auf eine homogene Beschichtung gelegt, welche flexibel und dehnbar ist und gleichzeitig auch die Anforderungen an Reißfestigkeit nicht außer Acht läßt. Weiterhin wird die Oberfläche mit spezifischen Antigen-Fängern ausgestattet.

Es ist wichtig, dass die Oberfläche eine definiert vergrößerte Topografie aufweist und gesteuert beschichtbar ist. Nur so ist zu gewährleisten, dass sich die spezifischen Tumorzellen an der Oberfläche anheften und keine Blutzellen eingesammelt werden, denn dies würde zu einer kleineren verfügbaren Oberfläche für die Tumorzellen führen. Eine minimale Topografie, welche ein Anlagern der Tumorzellen ermöglicht, jedoch den Blutstrom nicht beeinflusst, wäre optimal. Da außerdem eine optische Vermessung des Zellisolators erfolgen soll, muss die Struktur von allen Seiten zugänglich bzw. in Einzelteile zerlegbar sein.

Materialien, wie beispielsweise offenporige Polymerschäume erfüllen im Gegensatz zu den Formgedächtnismaterialien (Nitinol) nicht alle oben genannten Eigenschaften. Sie besitzen eine große Oberfläche, die von Flüssigkeiten durchdrungen werden kann und die flexibel einsetzbar ist. Sie können aber nicht definiert beschichtet werden und würden aufgrund ihrer Topografie zusätzlich Blutzellen einfangen. Außerdem beeinflusst die Struktur die Strömungseigenschaften des Blutes stark. Bei der Entnahme des Zellisolators aus der Vene wird beim Komprimieren ein Abstreifen der Zellen befürchtet, sowie dass die Steifigkeit des Polymerschaumes nicht ausreichend für die Injektion und Entnahme ist.

Die bisher eingesetzten Antikörper sollen durch neue Fängermoleküle ersetzt werden, um unspezifische Bindungen zu minimieren und die Isolierung von CTCs verschiedenster Krebsentitäten zu gewährleisten. Die Fängermoleküle werden auf der gewählten Oberfläche in einem nass-chemischen Verfahren kovalent gebunden und können ein Antigen, oder wenn in Kombinationen eingesetzt, mehrere unterschiedliche Antigene erkennen und damit Zellen, die diese Antigene auf ihrer Oberfläche präsentieren, spezifisch binden.

Um eine optimale Anwender- und Patientenzufriedenheit zu gewährleisten, soll das Thema Produktdesign und Applikationsoptimierung adressiert werden. Die Gebrauchstauglichkeit (nach DIN EN 62366) wird während der gesamten Entwicklung fokussiert.

Beteiligte Mitglieder

Aristotech Industries GmbH

www.aristotech.de

Asklepios Orthopädische Klinik Hohwald

https://www.asklepios.com
Logo Digalog

DIGALOG GmbH

www.digalog.de
Logo DST GmbH

DST Diagnostische Systeme + Technologien GmbH

www.dst-diagnostics.com
Logo EC EuropCoating

EC Europ Coating GmbH

www.europcoating.com
Logo ETO Magnetic GmbH

ETO Magnetic GmbH

www.etogroup.com
Logo Fraunhofer IWU

Fraunhofer IWU

www.iwu.fraunhofer.de
Logo Fraunhofer THM

Fraunhofer THM

www.thm.fraunhofer.de
Logo HNP GmbH

HNP Mikrosysteme GmbH

www.hnp-mikrosysteme.de
Logo Ingpuls

Ingpuls GmbH

www.ingpuls.de
Logo ITP GmbH

ITP GmbH Gesellschaft für Intelligente Textile Produkte

www.itb-gmbh.de
Logo Medizin & Service

Medizin & Service GmbH

www.medizinservice-sachsen.de
Logo MH Hannover

Medizinische Hochschule Hannover

www.mh-hannover.de
Logo RoweMed

RoweMed AG - Medical 4 Life

www.rowemed.de
Logo Schicktanz

Schicktanz GmbH Sohland/Spree

www.schicktanz-gmbh.de
Logo SITEC

SITEC Industrietechnologie GmbH

www.sitec-technology.de
Logo TU Chemnitz

Technische Universität Chemnitz - Professur für Adaptronik und Funktionsleichtbau

www.tu-chemnitz.de
Logo smart³

Technische Universität Dresden - Institut für Fluidtechnik

http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/fakultaet_maschinenwesen/ifd/
Logo Werner Electronics

Thomas Werner Industrielle Elektronik e.K.

http://www.werner-electronic.de/
Logo IMTEK

Universität Freiburg - Institut für Mikrosystemtechnik (IMTEK)

www.cpi.uni-freiburg.de
Logo Uni Leipzig

Universität Leipzig

www.uni-leipzig.de
Logo Universitätsmedizin Rostock

Universitätsmedizin Rostock

forbiomit.med.uni-rostock.de/
Logo WarmX

WarmX GmbH

www.warmx.de
Logo Zahntechnik Leipzig

Zahntechnik Leipzig - Inahber Henry Goepel e.K.

www.zahntechnikleipzig.de